Die Geschichte der Schwäbischen Alb
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Die Schwäbische Alb befindet sich südlich von Stuttgart und ist das zweitwichtigste Mittelgebirge neben dem Schwarzwald in Baden-Württemberg und stellt die größte Karstlandschaft Europas dar; eine Karstlandschaft entsteht durch Verwitterung und Umwandlung eines Stoffes in einen anderen - hier biologischer Abfallprodukte in Kalk. Bei einer durchschnittlichen Breite von 40 km bemißt die Gesamtlänge 220 km und reicht vom Hochrhein bei Schaffhausen bis zum Meteoritenkrater Nördlinger Ries bei Aalen auf der Ostalb. Die höchste Erhebung befindet sich beim Lemberg auf der Südwestalb mit 1015 m. Vor 15 Mio Jahren reichte die Schwäbische Alb bis nach Scharnhausen südlich von Stuttgart und die Albhochfläche war auf dem Gebiet der heutigen Fildern mit 900 m ü.M. (heute ca. 300 m) wesentlich höher als heute. Im Gegensatz zu den Alpen, die pro Jahr bis zu 1,5 cm wachsen, schrumpft die Schwäbische Alb um 2 Meter pro Tausend Jahre.
Geschichte
Jura (200-144 Mio Jahre):
Vor 200 Mio Jahren begann sich langsam ein großes Gebiet, wozu auch die heutige Alb gehört, langsam abzusenken, in das von Norden kaltes und von Süden warmes Wasser einströmen konnte, woraus ein großes zusammenhängendes Meer entstand. Vor 150 Mio Jahren wurde der Zugang zum Nordpolarmeer endgültig abgeschnitten, woraus das Jurameer hervorging, das nun ein Randmeer des südlichen Tethys-Meeres darstellte, was zur Erwärmung des Wassers und zum gigantischen Anwachsen der Meeresbewohner (Ammoniten, Belemniten (Tintenfische), Krebse), Pflanzen und Flugsauriern sowie Urvogel führte, die wir heute im Hauff-Museum in Holzmaden bewundern können.
Kreidezeit (144-65 Mio Jahre):
In der Kreidezeit verlandete das Jurameer.
Tertiär – geologische Neuzeit (65 Mio Jahre bis heute):
Durch Plattentektonik, hier drückt die afrikanische Platte gegen die eurasische Platte, falteten sich vor ca. 60 Mio Jahren Gebirge wie die Alpen und die Schwäbische Alb auf. Aufgrund dieser Drucke wachsen die Alpen bis heute weiter in die Höhe. Damals aber führten die unterirdischen Verschiebungen zu Rissen im Gestein, was die Geburtsstunde des Schwäbischen Vulkans war.
Der Schwäbische Vulkan
Das Gebiet des Schwäbischen Vulkans erstreckt sich vom Randecker Maar bei Weilheim/Teck im Osten über Scharnhausen südlich von Stuttgart im Norden bis zu den Bergkuppen Florian, Jusi, Grafenberg u.a. bei Reutlingen.
Vor 16 bis 17 Mio Jahren durchstießen 365 Vulkanschlote im Umkreis von 25 km rund um das heutige Bad Urach das Juragestein. Dieser explosive Vulkanismus führte kaum Lava und die wenige Lava blieb in den Schloten stecken (Anm.: das Gegenteil von explosiv bzw. ejektiv, quasi explodierendem grauem Vulkanismus ist effusiv, also ruhig austretende Lava beim roten Vulkanismus). Wegen der feststeckenden Lava wuchsen die Vulkane nicht weiter und werden deshalb Vulkanembryonen genannt. Das vulkanische Gestein und die Schlote fügen sich heute meist nahtlos in die vorhandene Landschaft ein. Der vulkanische wasserundurchlässige Basalttuff läßt sich vom hellen wasserdurchlässigen Kalk durch seine durch Mineralstoffe dunkel oder schwarz-weiß gesprenkelte Farbe gut unterscheiden.
Ein Charakteristikum der Schwäbischen Alb ist ihre Eigenschaft, eine Kompaßnadel zu verwirren und daß die Temperatur in Richtung Erdinneren schneller ansteigt als in nichtvulkanischen Gebieten. Die erste Eigenschaft rührt daher, daß das Eisen im vulkanischen Gestein das natürliche Magnetfeld überlagert, was zur Folge hat, daß ein Kompaß dort nicht richtig funktioniert. Die zweite Eigenschaft, die sogenannte geothermische Tiefenstufe, rührt von der noch immer vorhandenen vulkanischen Hitze – die unterirdische Magmakammer gilt zwar als erloschen, die ganze Gegend ist aber mitnichten abgekühlt. Die geothermische Tiefenstufe wurde 1867 erstmals festgelegt und bezeichnet den Tiefenabschnitt in der Erdkruste, in dem sich die Erde um ein Grad Celsius erwärmt. Diese Erwärmung erfolgt durchschnittlich alle 33 Meter ausgehend von der Peripherie in Richtung Erdinnern. Auf der Schwäbischen Alb erwärmt sich die Erde aber alle 11 (!) Meter.
Die Vulkanembryonen wurden 1895 vom Landwirt und Geologen Wilhelm von Brauna erstmals erwähnt und auch so benannt. Der Begriff „Schwäbischer Vulkan“ wurde 1941 vom Geologen Hans Cloos als solcher geprägt. Die vielen Thermalquellen bei Stuttgart, hier wären die Thermalquellen in Bad Urach sowie auch diejenigen in Bad Cannstatt heraushebend zu nennen, verdanken ihre Entstehung vulkanischen und nachvulkanischen Gasen.
Sehenswürdigkeiten
Der Floriansberg bei Metzingen mit seinen 522 Metern.
Der Jusi, der verglichen mit dem Florian mehr sichtbares vulkanisches Gestein zu bieten hat.
Der Wanderweg zu den beiden Vulkanschloten beginnt in Metzingen.
Wittlinger Steige, ein bei Straßenarbeiten quer aufgeschnittener Vulkanschlot, der völlig unterschiedliche Gesteinsarten aufweist: heller Kalk, fast schwarzes Magma und bunt gesprenkeltes auskristallisiertes Magma. Der Vulkanschnitt befindet sich zwei Kilometer südöstlich von Bad Urach, einen Kilometer nach der Abzweigung der Bundesstraße Richtung Wittlingen.
Naturkundemuseum Reutlingen, Am Weibermarkt 4, Reutlingen
Mehrere Exponate in zwei Abteilungen erzählen von der vulkanischen Geschichte der Schwäbischen Alb.
"Mir könnet älles - au Vulkane" tät dr Schwob hier sage !
Aurélie Staiger, September 2010
Die Schwäbische Alb war nicht nur feurig, sondern, wie weiter oben erläutert, sie hatte auch ein Meer. Haben Sie Lust auf mehr Meer bekommen? Dieser verschlungene Pfad entführt Sie zu meinen Seestücken.